Projekt Stolpersteine

Erstellt von jens carstensen Am 13, Feb. 2014 Kommentar hinzufügen

Jugendliche aus Deutschland und Israel arbeiten zusammen

Film Premiere “Stolpersteine” auf dem interkulturellen Festival “Music For One God” in Köln 4. Dezember 2013.


Stolpern – eine Reportage; Februar 2014

“Begegnung” ist das Stichwort für ein Jugendprojekt in der Stadt der Musik in Israel Rosh HaAyin. Im Dezember 2012 machte eine Gruppe der IKS-Medienwerkstatt aus Bremerhaven auf den Weg, um zu diesem Thema einen Film mit Jugendlichen aus der kleinen Stadt östlich von Tel Aviv zu initiieren.
Für die sich begegnenden Jugendgruppen ist gemein, dass viele ihrer Mitglieder in ihrem Land einen Migrationshintergrund haben. Denn auch Israel ist ein Einwanderungsland, dass mit ähnlichen Fragestellungen junge Menschen für eine aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Entwicklungen gewinnen will.

Auf dem Hintergrund der historisch belasteten deutsch-jüdischen Geschichte bietet sich hier ein Arbeitsfeld, dass den teilnehmenden Jugendlichen über aktiv gestaltende Projekte eine persönliche Dimension für ihr demokratisches Verständnis entwickelt und gängigen Vorurteilen eine Absage erteilt.

Ein Film von Vahid Zamani und Patrick Salomon

Heimat/Fremde als Pole bilden einen Spannungsrahmen für diese Begegnung. Die Annäherung an einen gemeinsames kulturelles und politisches Grundverständnis geschieht mit Hilfe von Workshops mit Theater, Musik und Neuen Medien (Foto, Film).

Im dem ersten Film “Begegnungen” (2012) ging es dann auch um “Vorurteile”, die man in sich entdeckt, wenn man zu ungewohnten Ufern aufbricht.

Gemeinsame Besuche nationaler Holocaust-Gedenkstätten fördern eine Auseinandersetzung mit der Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven. Von hier aus entwickelt sich der methodische Ansatz für die gemeinsame Arbeit, die mit einem Arbeitsbesuch In Bremerhaven im August 2013 seine Fortsetzung gefunden hat.

Für unsere israelischen Gäste organisierten wir eine Reihe von Konzerten im Ortsteil. Dort stellten wir unsere bisherige gemeinsame Arbeit vor.

Daneben bereiteten wir aber auch die Grundstruktur für unser neues Filmprojekt “Stolpern” vor.

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Projektentwicklung:
Im Zentrum der gemeinsamen Arbeit im letzten August stand die Beschäftigung mit den “Stolpersteinen” des Kölner Künstler Günter Demnig. An insgesamt 24 Orten in Bremerhaven findet man diese Gedenksteine vor den letzten Wohnsitzen der im 3. Reich deportierten Menschen.
Bereits im Juni und Juli tourten die deutschen Teilnehmer durch Bremerhaven, um eine Stolpersteinralley für unser gemeinsames Treffen mit unseren israelischen Partnern vorzubereiten.

Im August baten wir unsere Gäste, Musik für diese Orte zu improvisieren, während wir uns um die Filmaufnahmen kümmerten. Parallel recherchierte eine Gruppe in Archiven und Bibliotheken zu Biographien und Orten, um anschließend das gefundene Material für eine filmische Präsentation umzugestalten. Die Recherchegruppe wurde von Lisa Schönberg, eine Studentin mit dem Fach Politikwissenschaften, betreut.

In einem Theaterworkshop im Oktober 2014 bereiteten wir uns auf einen Drehtermin im lokalen Fernseh-Studio von Radio Weser TV. vor. Figuren wurden entwickelt, Kostüme organisiert, Szenen geschrieben, Lichtgestaltung und Dramaturgie erarbeitet und anschließend an einem Drehtag umgesetzt. Dabei hatten wir Unterstützung von Lisa Weiß (Theaterpädagogik, ehemals Stadttheater Bremerhaven) und dem jungen Bremerhavener Filmemacher Max Duda, der uns bei Lichtgestaltung und Kameraarbeit beistand.

Im November/Dezember haben wir dann die Aufnahmen geschnitten, nachbearbeitet und vertont.
Betreut wurden das Projekteam von Max Duda und Martin Kemner.

Bericht aus der Projektgruppe:

Hallo, wir sind die Arbeitsgemeinschaft Medien/Projekt Israel der IKS-Medienwerkstatt in Bremerhaven. Wir berichten in unserem Film “Stolpern” über eine merkwürdige Angelegenheit über die wir im wahrsten Sinne des Wortes „gestolpert sind.“ Wir waren in Bremerhaven unterwegs. Wir entdeckten überall goldfarbene Steine, die in die Wege eingelassen sind. Darauf sind Namen und Zahlen graviert. Und dass die Person deportiert und ermordet wurde. Das wollten wir genauer wissen.

Im Rahmen einer Projektwoche sind wir bei der Suche nach Informationen in der Stadtbibliothek und im Kulturamt der Stadt fündig geworden. Und haben Ungeheuerliches erfahren. Die Stolpersteine hat der Künstler Gunter Demnig erdacht, um an das Schicksal von Menschen zu erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben wurden. Unglaublich was damals passiert ist und eigentlich ist das auch noch gar nicht so lange her. Die Menschen wurden zu Nummern degradiert und industriell vernichtet.

Herr Demnig möchte den Opfern mit den Steinen ihren Namen ein wenig von ihrer Würde zurückgeben. Mittlerweile gibt es fast 43000 Stolpersteine in vielen deutschen Städten und in 15 anderen europäischen Ländern. Viele Opfer des Nationalsozialismus waren Juden und da wir im Sommer Besuch von israelischen Jugendlichen hatten, haben wir die befragt, was die darüber wissen und was sie davon halten. Wie schon in Israel beim Besuch von Yad Vashem haben wir gemerkt, dass es gut ist, sich zu informieren, zu erinnern und darüber zu sprechen. Aber irgendwie war das nicht genug. Es bleibt so ein Kloß im Bauch, wir haben überlegt was man noch machen kann.

Gemeinsam mit unseren Gästen aus Israel haben wir an den Stolpersteinen musiziert und versucht, uns an die unbekannten Menschen zu erinnern. An ihr Leid, an ihre Angst und wir haben versucht zu verstehen, wie Menschen fähig werden so etwas anderen Menschen anzutun.

Gemeinsam Musik machen war schon ganz gut, aber der Massenmord bleibt fern und unfassbar. Wie im Film. Aber es ist wirklich passiert. Eine Geschichte hat uns besonders berührt, Rosa Weinthrop, die als Baby mit ihrer Mutter 1922 aus Krakau nach Bremerhaven zog und mit 20 in Minsk ermordet wurde. Um eine Ahnung zu bekommen, was es für Rosa bedeutet hat, ihre Jugend im nationalsozialistischen Deutschland zu verbringen, haben wir versucht mit den Mitteln des Theaters die Vorgänge zu verstehen. Nach dem Theaterworkshop waren wir ziemlich fertig. Wir haben eine Ahnung davon bekommen, wie es Rosa und den Millionen ihrer Leidensgenossen ergangen sein muss. Bei Recherchen im Internet haben wir das Gedicht einer jungen Frau gefunden, die über das “Nicht Sterben wollen” erzählt.

Außerdem haben wir gemerkt, dass es wichtig ist nicht zu vergessen, was damals geschah. Aus Respekt vor den Opfern, aber auch weil es nach wie vor in vielen Teilen der Welt Ungerechtigkeiten, Misshandlungen, Morde und Hunger gibt. Wenn man ab und zu stolpert, hilft das beim Erinnern.

Wir waren damals i noch sehr aufgeregt über die Reise in eine fremdes Land. Wir haben bei unserem 1. Besuch in Israel noch nicht viel von der Deutschen Geschichte gewusst.

Das lag zum Teil auch daran, dass unsere Eltern nicht in Deutschland geboren wurden. Im Laufe der Zeit haben wir bemerkt, das nach dem anfänglchen “Chaos” durch unsere Teamarbeit und die gemeinsame Erfahrung mit unseren israelischen Gästen sich langsam alles erklärt.

Und toll ist es, mit jungen Menschen aus Israel jetzt nicht nur gemeinsam ein Stück “Begegnungszeit” zu teilen, sondern auch bei Musik, Theaterspielen und Filmen intensive Freundschaft gespürt zu haben.

von Jaqueline, Aileen, Jessica, Philipp, Justin, Felix, Pascal (Nachrichten-Team der IKS-Medienwerkstatt)

gefördert und unterstützt:

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